Nekromantie, schwarze versus weiße Kunst und Moral

Immer wieder kommt es vor, dass es ein Zauber verlangt, auf einem Friedhof begraben zu werden.
Was nicht von jedem positiv aufgenommen wird, obgleich es der mächtigste Ort ist, den man zu Transformationszwecken nutzen kann.

Zu viele Mythen rangen sich um diesen schaurigen Ort und die Phantasie tut ihr Übriges dazu. Doch was ist dran an den Spukgeschichten, den Schauermärchen, gibt es wandelnde Tote, spukende Geister und helles Kinderlachen obgleich der Friedhof leer schien als du ihn betratst?

Bewohner des Friedhofs

Die Antwort auf diese Frage ist ein klares „Ja“, wenn es auch nicht so theatralisch abläuft wie in Hollywood beschrieben. Wichtig ist jedoch zu wissen, dass der Friedhof eben nicht unbewohnt ist, sonst würde Rootworken an diesem Ort keinen Sinn ergeben.

In der Regel handelt es sich bei den „Bewohnern“ um Toten-Spirits, wie z. B. Baron Samedi und seine Crew, sowie – natürlich, den ein oder anderen Verstorbenen. Denn, nicht jeder Verstorbene findet direkt den Weg ins Jenseits. Manche bleiben in der Zwischenwelt „kleben“, vielleicht weil sie noch nicht loslassen können, weil sie ihren Hinterbliebenen noch etwas mitteilen möchten. Manche auch – weil sie schlimme Dinge erlebt haben, die sie immer und immer wieder „nachspielen“ weil sie nicht fassen können, dass sie inzwischen verstorben sind. Die Gründe sind mannigfach, weshalb jemand erdgebunden bleiben kann. Fakt ist, wenn diese Verstorbenen nicht „zuhause“ spuken, dann werden sie meist auf dem Friedhof – in der Nähe ihres Grabes bleiben. Denn dort ist ihr Körper noch vorhanden, dort herrschen ihre Schwingungen, dort kommen die Angehörigen, und versuchen auf irgendeine Weise Kontakt herzustellen. Dort fühlen sie sich sicher und ja – sind nicht allein.

Das Wesen des Verstorbenen

Der Glaube ein Verstorbener wird – wenn er z. B. eine sehr schwierige Persönlichkeit war- geläutert, ist Quatsch. Im Hoodoo sagt man: Schwierige Leute sind schwierige Geister. Das kann ich unterschreiben.

Wenn eine Person schon zu Lebzeiten ein Arsch war, dann wird sie auch als Geistwesen ein Arsch sein. Wird sich genauso beschissen aufführen wie zu Lebzeiten auch. Nur weil der Betreffende keinen Körper mehr hat, heißt das nicht, dass er nicht stänkern kann oder den Lebenden ordentlich eine verpassen kann. War z. B. zu Lebzeiten jemand süchtig nach irgendwas, dann wird er – sollte er erdgebunden bleiben – sich an eine Person heften, die seine Sucht befriedigen kann, die also dieselbe Sucht hat. Das muss man wissen, wenn man auf dem Friedhof arbeitet, mit Verstorbenen kommuniziert.

Es gibt dort genauso Lügner, Scharlatane, Verbrecher, Heuchler wie im Leben auch. Davon auszugehen, dass aus einem Vollidioten wie von Zauberhand ein Engel wird, nur weil er gerade verstorben ist, ist naiv und entspricht nicht den Tatsachen. Was meinst Du, was ich schon für Debatten mit Verstorbenen geführt habe … unglaublich. Sorry, aber manche davon waren strunz dumm, fast nicht auszuhalten. Nix mit heilig oder allwissend. Man sagt ja, man soll über die Toten niemals schlecht reden, denn sie könnten Dich hören. Sie hören Dich tatsächlich. Diesen Umstand kann man aber auch nutzen. Ich habe manchen schon im nachhinein noch die Leviten gelesen (als Baron Kind darf ich das *zwinker*), damit die Person es vielleicht in ihrem nächsten Leben besser machen kann. Warum nicht, da spricht nichts dagegen. Die Aufgaben eines Rootworkers sind vielfältig, manchmal müssen Dinge angesprochen werden, weil vielleicht erst dies der Seele ermöglicht ihre letzte Ruhe zu finden.

Genauso ist es aber auch umgekehrt. Wenn eine herzensgute Person verstorben ist, wird sie auch als Verstorbener dieselben Eigenschaften besitzen wie zu Lebzeiten auch. Kann dich also mit ihrem Wissen unterstützen, Dir helfen wenn Du in Not bist. Dann ist die Begegnung für beide Seiten schön. Interessanterweise sind diese Seelen in der Regel nicht erdgebunden. Sprich die Kommunikation findet oft direkt statt und muss nicht zwingend über den Friedhof laufen. Mit vielleicht wenigen Ausnahmen.

Der Friedhof ist der Platz an dem alle Schichten der Gesellschaft zusammenliegen, welche sich normalerweise vielleicht niemals im Leben begegnet wären. Anders als in einer Großstadt wo sich zum Teil Gruppen bilden können, ist es auf dem Friedhof meistens jedenfalls so, dass Verstorbene aller Art zusammen “leben“ müssen. Der Normalbürger geht ja davon aus, dass es nur noch die sterblichen Überreste sind, die bestattet werden. Was ja – meistens jedenfalls – tatsächlich auch so ist, aber eben nicht zwangsmäßig so sein muss. Sprich, erdgebundene Geister können sich auch untereinander wie im täglichen Leben auch, ordentlich zanken. Stell Dir vor, ein Arzt ruht neben einem Scharlatan, der ihn dann ständig zutextet und alles besser weiß. Das sorgt für Zündstoff. Kommst Du dann ungeschützt dazwischen, kann es sich auch an Dir entladen. Das ist der Grund weshalb Du Dich auch, wenn Du nicht eh schon zur Samedi Familie gehörst, mit dem Baron Samedi Voodoo Öl schützen sollst, bevor du den Friedhof betrittst. Dann wissen dessen Bewohner, dass es eine äußerst schlechte Idee wäre, Dich anzumachen.

Arbeit mit Totengeistern

Um Dich nicht in Versuchung zu bringen, beschreibe ich in diesem Blogbeitrag nicht genau wie man mit Verstorbenen arbeitet – im Sinne der Nekromantie. Wenn Du lediglich ein Zauber vergräbst gehört das nicht in diesen Bereich. Hast Du den Baron als Met Tet wirst Du sowieso wissen, wie man effektiv mit Toten arbeitet, andernfalls ist es für Dich vielleicht besser, diese Form der Zauberei zu lassen oder – wirst diese in Ausnahmefällen, wenn es nicht zu vermeiden ist – nur mit Hilfe und Genehmigung von Baron anwenden.

Diese Fakten (der erdgebundenen Seelen) macht man sich im Hoodoo zunutze. Will ein Rootworker jemanden ernsthaft in Schwierigkeiten bringen (das moralische lassen wir jetzt mal weg), dann wird er – wenn er weiß wie das zu tun ist, auf dem Friedhof einen Totengeist anheuern, der schon zu Lebzeiten ziemlich viel Dreck am Stecken hatte, also weiß wie er seine Aufgabe zu erledigen hat. Man bespricht die Bezahlung, wann was auszuführen ist und wann der „Arbeitsvertrag“ beendet wird. Schützt sich entsprechend und lässt den Totengeist seine Arbeit verrichten. Das Ganze kann auch in positiver Weise genutzt werden, wenn z. B. ein Totengeist gefragt wird, der zu Lebzeiten ein sehr guter Arzt war und man mit dessen Hilfe die Heilung einleiten möchte, oder sich Ratschläge erhofft.

Dunkle Spirits z. B. Baron Kriminel

Ich hatte mit Papa Baron was die Moral angeht schon einige hitzige Debatten. Es ist ja kein Geheimnis, dass meine Hauptspirits die Barone sind. Papa im Besonderen – er ist der Chef, seine Brüder Baron La Croix und Baron Cimetière kommen gleich an zweiter Stelle. Ein Baron agiert in meinem Gefolge ganz leise (meistens jedenfalls) im Hintergrund. Baron Kriminel. Er ist Papas Headhunter, Geldeintreiber – ein psychopathischer Massenmörder. Nicht durch Menschen zu kontrollieren, so gefährlich, dass man ihm in der Regel keinen Altar macht, keinen Service – nur ausgebildete Personen nehmen seine Dienste in Anspruch – oder eben sehr düstere Gesellen. Er ergötzt sich an den Schmerzschreien seiner Opfer, ja findet’s geil, je mehr Leid, je wohler fühlt er sich. Da macht er auch vor seinen Serviteuren keinen Halt. Einmal etwas Falsches gekocht und es kann Dir passieren, dass er Dich reitet und Dir Deine Zähne ins eigene Fleisch treibt, dich also zwingt Dich selbst zu verzehren. Ungut, echt ungeil. Kein Spirit also mit dem – ein „normaler Rootworker“ am Tisch sitzen möchte, ich also auch nicht. Das einzige Wesen, das ihn kontrollieren und beherrschen kann ist Baron Samedi. Denn, wenn Du einen Dämon beherrschen möchtest, dann musst du schlimmer als dieser sein! Leuchtet ein und fällt Papa nicht schwer.

Mir leuchtete es nicht im Ansatz ein, weshalb Papa damals Baron Kriminel mit ins Boot genommen hat, ihn zum Loa erhoben hat. Weshalb es ihn gibt. Papas Antwort dazu: „Die Welt ist nicht immer Sonnenschein. Manchmal brauchst Du harte Kerle, um eine Situation wieder ins richtige Lot zu bringen. Baron K. macht seine Arbeit gut. Er ist sehr zuverlässig. Warum sollte ich auf ihn verzichten? Ein Weichei könnte seine Aufgaben niemals erledigen. Er tut das was er tut mit einer perversen Inbrunst, die seines Gleichen sucht. Moral ist hier falsch am Platz. Ich wähle den, der für den jeweiligen Job geeignet ist. Wenn Du einen Herzspezialist für eine Herz-OP brauchst, dann wirst Du keinen Pastor wählen. Verstehst Du was ich meine? Wer sich benimmt, in dessen Leben wird Baron K. nicht auftauchen. Machst Du krumme Sachen, hast Dreck am Stecken, greifst meine „Kinder, Anhänger, Familienmitglieder“ an, dann wirst Du Besuch bekommen. Baron K. ist nichts weiter als das dunkle Echo Deiner Taten – Du hast also die Wahl.“

Das bringt das Ganze sehr gut auf den Punkt.

Als Rootworker wählst Du die Totengeister oder Spirits nach der Art des Zaubers aus, der durchgeführt werden soll. Wie im täglichen Leben auch. Wenn Du Zahnweh hast gehst Du auch nicht zu einem Piloten und bittest ihn Dir ne Füllung zu machen.

Weiße Magie versus dunkle Künste

Magie ist neutral, Energie ist neutral. Die Unterscheidung von Schwarz oder weiß – ist Menschen gemacht. Ich verwende diese Begriffe in diesem Beitrag nur zum besseren Verständnis, sonst müsste ich seitenweise um den heißen Brei herumreden.

Es gibt Dinge die tut man und Dinge die tut man nicht. Papa sieht’s gelassen. Er spricht nur von Echo. Nicht von Karma, sondern von Echo. Denn das Echo fügt nichts hinzu, macht keine Geschichte, es reagiert unmittelbar. Papa meint gerade trocken: „Wenn du Scheiße in den Ventilator wirfst, musst Du dich nicht wundern wenn es spritzt.“ Papas bildliche Aussage bringt es mal wieder auf den Punkt.

Im Voodoo gibt es übrigens kein „und wenn Dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere Wange hin“ – einen Scheiß wirst Du tun. Lass Dir nichts gefallen! Wehre Dich! ABER mach keinen Overkill, außer – Du kannst das Echo vertragen oder bist bereit es ertragen zu wollen.

Baron kann echt eine fiese Sau sein (er lacht gerade) aber er erwartet von Dir als Rootworker, dass Du zu 1000 % für das einstehst was Du tust oder in Auftrag gibst. Dann ist es für Baron auch ok die Sachen auszuführen, die ihm seinen dunklen Ruf gerecht werden lassen – wenn er Bock drauf hat, nur wenn er Bock darauf hat!

Möchtest Du aber Deine Hände in Unschuld waschen, nicht die Konsequenzen für Deine Handlungen übernehmen, dann wird er sich um DICH kümmern und Du wirst ihn von seiner anderen Seite kennenlernen. Je mächtiger Du bist, je mehr und besser du zaubern kannst, je weniger wirst Du das Bedürfnis verspüren die dunkle Kunst auszuüben. Das ist tatsächlich so. Nicht weil Du schiss hast, im Gegenteil, sondern weil es elegantere Wege gibt sich um Leute und Angelegenheiten zu kümmern …

Diese Wege sind nicht weniger knackig – erscheinen der Zielperson tatsächlich manchmal wie ein Fluch. Aber nun, wie soll ich es beschreiben, ein guter Rootworker arbeitet nicht so plump, so „unelegant“, so „langweilig“. Im Kämmerchen zu sitzen und nach Rache zu schreien … ach Gott, wie süß … gähn – nein, Schätzelein, das ist nicht die Art wie ein Meister zaubert. – Du weißt ja Papa steht auch für dunkle Eleganz, für eine gewisse Ästhetik – immerhin ist er der BARON. Diese Zauber müssen genossen werden wie guter Wein … mehr muss ich darüber nicht sagen, oder?

Moral und schwarze/weiße Kunst

Du findest es moralisch verwerflich, willst Deine Kunst nur für gute Zwecke einsetzen. Hier meine Preisfrage, definiere das Wort GUT! Beispiel: Positive Energie

In aller Munde. Hey, ich schick Dir jetzt positive Energie damit es Dir wieder besser geht.
Klingt erst mal toll. Hast du Dein Vorhaben mit dem Met Tet desjenigen abgesprochen, den Du mit Deiner Energie zuballern möchtest? NEIN? Dann zieh dich warm an.

Nur weil Du etwas als gute Energie siehst, heißt es noch lange nicht, dass der Empfänger derselben es auch so empfindet. Die Energieform muss angepasst werden, sonst ist es ein eindeutig schwarzmagischer Akt was du da tust. Ich habe das schon so oft erlebt, dass Leute nach angeblichen Energiebehandlungen ernsthaft krank wurden. Weil’s eben nicht gepasst hat. Um es technisch auszudrücken: Du hast das Auto mit dem falschen Treibstoff befüllt.

Angenommen du möchtest den Teufel persönlich heilen. Wie? Du heilst keinen Teufel? Würdest ihn lieber leiden lassen, weil er deine Liebe nicht verdient hat? Böses Kind … steht das Wort Liebe nicht für bedingungslos, ist vor der Liebe nicht jeder gleich? Also nochmal, angenommen Du möchtest den Teufel heilen, weil er sich verletzt hat. Deine ach so weiße Energie würde ihm schaden. Ist doch logisch. Oder? Was tust Du also? Du passt Deine Energie der des Teufels an, sprich – Du wirst zum Teufel, dann schickst Du ihm seine Energieform die er braucht. So einfach ist das. So geht’s. Du begibst Dich also mit ihm auf eine Ebene. Solange Du noch „Du selbst“ bleibst ist keine Heilung möglich.

Lass uns wieder zurück auf das Schicken von Heilungsenergien beim Menschen kommen. Solange Du dein Treiben also nicht mit den Spirits des Empfängers abgesprochen hast und Dich dann nicht an seine Schwingung angepasst hast, ist Deine Handlung in keiner Weise hochwertiger oder gar reiner als die des schwarzen Künstlers.

Ganz viel Scheiße wurde schon im Namen der „weißen“ Mächte produziert. Da wird rumgeschraubt was das Zeug hält ohne Sinn und Verstand aber Hauptsache “weiß“. Wenn ich Heilungsarbeiten mache, dann setze ich mich IMMER zuvor mit den Spirits des Empfängers in Verbindung und mit meinen eigenen. Spreche das Vorhaben ab, kläre was meine Aufgabe ist, und wovon ich die Finger lassen soll.

Erst dann, wenn all diese Punkte geklärt sind, hast Du grünes Licht. Dein Ego hat bei dieser Arbeit nichts zu suchen.

Hast Du mit meinen Aussagen Probleme, dann reflektiere mal gründlich über Dein Weltbild. Meiner Erfahrung nach sind die sogenannten reinen Weißmagietanten oft aggressiver als mancher Schwarzmagier. Da wird ge+ver-urteilt was das Zeug hält. Geilster Spruch den ich mal gehört habe: „Du hast Dein Ego nicht im Griff, ich habe meines schon aufgelöst.““ Mit Pril oder was?“ Möchte man am liebsten gegenfragen. Oder dieses „Hast Du dich wieder krank gemacht?“ Wow, da wirft man gleich die Schuld mit ein. Oder noch geiler sind Vorwürfe – „Siehst Du, ich hab Dir ja gleich gesagt du sollst (z. B.) die Sauferei lassen, jetzt siehst Du was du davon hast! Eine Leberzyrrhose und ganz schlechte Energie, ganz Schlechte!“ Applaus! Das sind die wahren Kenner der menschlichen Psyche! Sehr sensibler Umgang mit einem Kranken. Wirklich pures Licht, reine Liebe die ich da spüre. Schön, dass man damit gut von sich selbst ablenken kann …

Ehrlich, wenn ich soetwas mitbekomme, werde ich wirklich, richtig böse. Dann knallt’s, aber sowas von! Denn solche Aussagen (die ich leider schon als Kind am eigenen Leibe erfahren und hören durfte – nicht durch meine Eltern, aber durch „nette Licht & Liebe Freunde“ meiner Eltern) sind pure Gewalt. Denn diese elendigliche, egomanische Besserwisserei hilft keinem weiter, und schon gar nicht dem Kranken, im Gegenteil sie schwächt ihn zusätzlich. Heilung einleiten, bedeutet den Kranken so anzunehmen wie er ist und sich von ganzem Herzen, urteilsfrei darum zu kümmern, dass es ihm bald wieder besser geht.

Ich für meinen Teil, bin daher mehr als nur glücklich, inzwischen all jene ehrliche und verrückte „Freaks“ im Boot zu haben, die jede Esoterikmesse sprengen würden … Willkommen in meiner Addams Family … ich hab Euch lieb, denn mit Euch ist das Leben bunt … Danke dafür!