Trostlos rieselndes Tropfen
Draußen die Düne.
Einsam das Haus, eintönig,
ans Fenster,
der Regen.
Hinter mir,
ticktack,
eine Uhr,
meine Stirn
gegen die Scheibe.
Nichts.
Alles vorbei.
Grau der Himmel,
grau die See
und grau
das Herz.
Arno Holz
… so oder anders empfindet man den Schmerz, der entsteht, wenn der Lebenspartner geht.
Nichts scheint mehr Sinn zu machen, alle Farben werden grau und das Herz scheint sich vor Kummer zu zerfressen. Man fühlt sich verraten und verkauft, beschämt und verletzt. Der Eine wird mit Wut reagieren, der andere mit Kummer, wieder andere stürzen sich volle Kanne ins Leben – nach dem Motto nach mir die Sinnflut.
Wieder andere schreiben mich an, und bitten um einen Liebeszauber. Meist, um den Partner zurückzuholen. Ist doch das gegangen, was man am meisten liebt.
Wirklich? … was man am meisten LIEBT?
Wie wird denn Liebe klassischerweise definiert?
Mhd. Liebe – „Gutes, Angenehmes, Wertes“, also übersetzt als eine tiefe, innige Zuneigung zu einem Wesen, die keinerlei Gegenleistung, keine Erwiderung erwartet, nicht auf „Belohnungen“ aufbaut -> nach dem Motto: „Ich liebe Dich also bekomme ich dafür …“ sondern bedingungslos liebt – ohne Wenn und Aber. Die geliebte Person wird in ihrem Wesen geschätzt, aber nicht idealisiert, der andere wird angenommen, wie er ist. Die Liebe findet also auf gleicher Augenhöhe statt. Liebe ist ständig in Bewegung und nicht statisch.
Das Verlangen und der Wunsch geliebt zu werden, zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte; und damit man geliebt wird tut man so viele seltsame Dinge. Doch beginnen wir von vorn – was passiert denn wenn einem der „Adonis“ oder die „Venus“ über den Weg läuft, und im Glücksfall sogar Interesse zeigt?
Man plustert sich auf wie ein Gockel. Macht sich größer, gibt sich charmant, witzig und geistreich. Der Eine wird zum feurigen Latino, die Andere zur erotischen Sünde, wieder andere bezirzen durch ihre gekonnte Zurückhaltung und manche Frau gibt sich erst mal madonnenhaft zugeknöpft. Was sich aber wie ein roter Faden durch alle Beispiele zieht, ist – das man sich verstellt. Man stellt sich vor wie der Andere einen gerne hätte und gibt sich dann entsprechend – um diesem Bild gerecht zu werden. Dabei wird allerdings vergessen, dass es sich bei dem Bild um die eigene Projektion handelt – die nicht die Bohne etwas mit dem Gegenüber zu tun hat. Da es in der Regel jedoch Beide so handhaben, fällt das erst nicht weiter auf.
Angenommen Beide kommen nun tatsächlich zusammen, was passiert dann? Nun, irgendwann kommt der Punkt, an dem die rosarote Brille verblasst und, der Alltag einzieht. Man beginnt am Gegenüber die „Fehler“ zu sehen, die Pickel auf der Nase, die hoppelige Art wie der Geschlechtsverkehr vollzogen wird, den Mundgeruch und das eh zu lichte Haar, die kleinen Brüste oder der fette Hintern – diese Liste lässt sich beliebig erweitern …
Fakt ist, die Illusion des „Adonis“ bzw. der „Venus“ ist dahin. Was zur Ent-täuschung führt.
Und nü? Wat nü? Denkt sich der Partner. Na, wenn „Hugo“ sich doch nur besser kleiden würde, dann würde ich wieder glücklich werden. Wenn er nicht immer in der Nase bohren würde, ja dann wäre es auch sicherlich im Bett wieder besser, wenn er … Oder: Wenn „Hilde“ doch einfach nur mal ihren Mund halten würde, dann wäre alles gut; wenn sie sich mal wieder schön machen würde wie früher, wurde es auch im Bett wieder klappen usf.
Fakt ist, der Partner wird von seinem Podest gestoßen, auf welches man ihn selbst gestellt hat und man gibt sich enttäuscht und verletzt. Je höher man ihn gestellt hast, je tiefer wird dann die Enttäuschung sein. Man wirft ihm vor, dass früher alles besser war. War es das wirklich? Oder ist es vielleicht eher so, dass sich der Partner vielleicht gar nicht geändert hat, sondern meine Illusion dieser Beziehung zum Partner verblasst ist, wie ein altes, vergilbtes Foto?
Mit meinem Gegenüber hat das alles nichts zu tun. Er ist, wie er ist, die Geschichte und den Hype um ihn mache ich selbst. Es ist mein eigenes „Kopfkino“, das ich versuche meinem Partner aufzupressen wie ein Stempel; pressen bedeutet Druck und Druck erzeugt Gegendruck. Dabei möchte ich doch nur lieb gehabt werden, mich nur geborgen fühlen. Ich führe mich auf wie eine Furie zu meinem Partner, versuche ihn zu biegen und zu brechen und möchte gleichzeitig aber von ihm geliebt werden. Seine Wünsche und Sehnsüchte finden in meiner Welt nicht statt, er findet nicht statt, so als ob er nicht existiert. Dafür soll er aber eine ganze Menge leisten!
Wenn es dann zum Bruch kommt, weil man dem anderen keinen Raum lässt, nur an seiner eigenen Projektion über ihn festhält, er im Grunde nichts weiter als eine Marionette ist, die nach deinen Vorgaben zu tanzen hat, ja- dann ist man enttäuscht und traurig. Vielleicht hat man in all der Zeit gar nicht gemerkt, dass Liebe etwas ist, das sich entwickeln muss und so zart ist wie ein Pflänzchen. Wenn man sie nicht pflegt, geht sie ein. Sobald aber aus einer angeblichen Liebe eine Abhängigkeit entsteht, bekommt jede Art der Beziehung einen negativen Touch. Abhängigkeit im Sinne von: „Aber ich kann nicht ohne ihn.““Was mach ich denn nur alleine?“ usf. Abhängigkeit auch in Form von Bestätigungssucht: „Liebst du mich noch Schatzi? Du hast es mir erst heute 20-mal gesagt, sonst sind es immer 22-mal.“ Mit Liebe, als eine tiefe, innige Zuneigung zu einem Partner, die keinerlei Gegenleistung, keine Erwiderung erwartet, hat das alles nichts zu tun.
Jetzt ist der Partner also weg und was nun? Jetzt willst Du ihn wiederhaben-
wie ein Spielzeug, das man Dir weggenommen hat. Dass Dein Partner Dich als Partner nicht mehr haben möchte, scheint für Dich keine Rolle zu spielen. Wie schon davor erwähnt, er findet selbst im Augenblick in dem Du den Wunsch nach dem „Zurückkommen“ äußerst nicht statt. Warum?
Würdest Du ihn wirklich lieben, dann würdest Du ihn gehen lassen. Alles andere ist Inbesitznahme einer Person, ist Gewohnheit, Angst, Routine usf. Ist etwas, dass Dich einschränkt. Wenn Du nur auf ihn fixiert bist, gibst du anderen potenziellen Partnern gar keine Gelegenheit Dich kennenlernen zu dürfen. Du bist sozusagen innerlich besetzt und strahlst das auch nach Außen aus. „Ja, aber der ist der Richtige“ –bekomme ich dann oft zu hören. Das sagst DU, er scheint es nicht so zu empfinden sonst wäre er ja nicht gegangen, oder?
Mir geht es hier nicht um Moral – nach dem Motto – alle Liebeszauber sind quatsch. Aber Du solltest wissen, was Du da tust. Fakt ist, jede Geschichte hat zwei Seiten. Die positive Sache ist, Du kannst die Zeit des Singel-Daseins nutzen, um mit Dir selbst ins Reine zu kommen, denn das was Du in Dir trägst, wird sich im Außen spiegeln. Wenn Du Dich also nach einem liebevollen Partner sehnst, der Dich so nimmt, wie Du bist, dann solltest Du zuerst einmal lernen mit Dir selbst klarzukommen. Mit all Deinen Macken und Fehler. Wie willst Du denn den anderen lieben, wenn Du dich nicht mal selbst liebst? Und wieso sollte er Dich lieben, wenn Du es nichtmal tust? Wenn Du möchtest, dass er dich annimmt, wie Du bist, dann solltest Du dich fragen, ob auch du bereit bist ihn so zu anzunehmen, wie er ist, bzw. ob Du bereit bist Dich selber anzunehmen, wie Du bist.
Dabei kann Dir der im nächsten Blog-Beitrag folgende Spiegelzauber helfen. Du kannst also gespannt sein …
Fortsetzung folgt!